21.03.2026
In einem aktuellen Bericht der Niederösterreichischen Nachrichten behauptete eine Vertreterin der Windenergie Sandl GmbH, das Gebiet rund um Sandl liege auf „keiner wichtigen Zugvogel-Route“.
Mehrere Fachstudien belegen jedoch einen regelmäßigen Vogelzug in unmittelbarer geografischer Nähe sowie direkt im betroffenen Areal:
- Eine aktuelle ornithologische Erhebung von Dr. Steiner (10/2025) direkt im Freiwald (Raum Sandl) weist unter anderem Kraniche und Schwarzstörche nach.
- In einer weiteren aktuellen Untersuchung (11/2025) im Anschlussgebiet Freiwald – Weinsberger Wald konstatiert Steiner: „[..] etliche Trupps [an Kranichen] (es geht in die Tausenden Individuen) fliegen auch weiter nördlich des Donauverlaufes nach Westen und fliegen daher quer durch das Mühlviertel.“
- BirdLife (2023) bezeichnete das geographisch naheliegende Gebiet bei Schenkenfelden aufgrund der Häufigkeit windkraftrelevanter Arten bereits als „herausragendes Gebiet für den Vogelzug in Österreich“
- Der Südböhmische Ornithologische Verein (2026) bestätigt die Nutzung des Gebiets als wichtigen Zugkorridor, insbesondere für den Kranich, und betont, dass das Areal an einer Verbindungslinie bedeutender europäischer Zugrouten liegt, die jährlich an Relevanz gewinnt. Während des Herbstzuges können tausende Individuen das Gebiet passieren.
Darüber hinaus werden regelmäßig Großraubvögel, z.B. Seeadler, beim Überfliegen des Projektgebietes gesichtet und interessanterweise wird im vom Projektwerber in Auftrag gegebenen Fachbeitrag „Windpark Sandl – Fauna, Flora und Biologische Vielfalt“ (TB Raab 2025, Arbeitsversion vom 24.01.2025) sehr wohl ein „vermehrter Singvogelzug“ erwähnt. Eine gründliche Untersuchung des Vogelzuggeschehens im Raum Sandl durch unabhängige Fachleute ist zwar noch ausständig, jedoch ist die Faktenlage für die Important Bird Area (IBA) Freiwald eindeutig: Das weitgehend unzerschnittene Waldgebiet beherbergt eine außergewöhnliche Vielfalt seltener und streng geschützter Vogelarten, die in Mitteleuropa teils vom Aussterben bedroht sind.
Aktuelle ornithologische Untersuchungen dokumentieren stabile und teils dichte Bestände von Haselhuhn, Auerhuhn, Sperlingskauz, Raufußkauz, Grauspecht, Dreizehenspecht, Schwarzstorch sowie großen Greifvögeln wie Seeadler und Rotmilan. (Steiner & Schmalzer, 2025; Scherzinger, 2026).
Das aktuelle Gutachten von Steiner (2025, S. 86) zum Freiwald, Raum Sandl, kommt zu einem klaren Schluss: „Im Zuge der hiesigen Erhebungen wurden inclusive Umfeld 50 Vogelarten des Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie sowie der Roten Liste nachgewiesen. Dies ist für ein rund 30 km² großes Waldgebiet der höheren Lagen bemerkenswert und unterstreicht den hohen naturschutzfachlichen Wert.“
Dass Windkraftausbau und Artenschutz kollidieren, haben wir schon beleuchtet.
Experten fordern daher dringend die Ausweisung als EU-Vogelschutzgebiet (Special Protection Area). Dass das Land OÖ in der Ausweisung säumig ist, ändert nichts an der fachlichen Schutzwürdigkeit des Areals. Übrigens: Ein „faktisches Vogelschutzgebiet“ unterliegt bereits dem Verschlechterungsverbot gemäß Art. 4 Abs. 4 der EU-Vogelschutzrichtlinie.
Erfreulicherweise hat der österreichische Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in der Vergangenheit Verfahren aufgehoben, weil die Gefährdung geschützter Arten nicht ausreichend geprüft wurde. Behörden dürfen Gutachten von Projektwerbern nicht unkritisch übernehmen, wenn fachliche Zweifel bestehen (VwGH 2021). Zudem schützt das unionsrechtliche Tötungsverbot jedes einzelne Individuum. Eine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos muss durch konkrete Fachgutachten ausgeschlossen werden (VwGH 2020).
Wir werden, sollte das Projekt nicht schon frühzeitig gestoppt werden, sehen, wie die Gutachten der Projektwerber – die den Windpark Sandl bauen wollen – im UVP-Verfahren gewürdigt werden.
Unten die Quellen zum Nachlesen,
Deine Bürgerinitiative Sandl
Quellen:
BirdLife Österreich. (2023). Das Konfliktpotenzial zwischen Windkraftnutzung und Vogelschutz in Oberösterreich 2023: Studie zur Überarbeitung von Tabu- und Vorbehaltszonen anhand neuester ornithologischer Daten.
Südböhmischer Ornithologischer Verein. (2026). Stellungnahme zu Expertenmeinungen und Plänen für den Bau von Windkraftanlagen auf der österreichischen Seite des Nowohradsker Gebirges. České Budějovice.
Scherzinger, W. (2026). Gutachterliche Einschätzung des Natur-Potenzials im Oberen Mühlviertel/OÖ. Bischofswiesen.
Steiner, H., & Schmalzer, A. (10/2025). Ornithologische Erhebung im IBA Freiwald bei Sandl (OÖ.) 2025 – mit Anmerkungen zum Großraubwild.
Steiner, H. & Schmalzer, A. (11/2025). Ergänzende ornithologische Erhebungen Weinsberger Wald bei Königswiesen und Grobkonzept für einen Schutzgebietsverbund Weinsberger Wald – Freiwald.
Verwaltungsgerichtshof [VwGH]. (2020). Erkenntnis Ro 2019/04/0021.
Verwaltungsgerichtshof [VwGH]. (2021). Erkenntnis Ra 2018/04/0179.
