In „Der OÖ Jäger“ (Dez. 2025), dem Info-Magazin des OÖ Landesjagdverbandes, thematisiert Dr. Hubert Zeiler, bekannter österreichischer Wildbiologe, Fachautor und Experte für Jagdwissenschaften, die Auswirkungen von Windparks auf Rehe. Er greift in seinen Ausführungen auf eine polnische Studie von Klich et al. (2020) zurück.
In der Studie wurde der Spiegel des Stresshormons Cortisol anhand von Fäkalien der Rehe analysiert. Die Forscher stellten fest, dass Rehe in der Nähe von großen Windparks (d.h. konkret mehr als 18 Turbinen bzw. eine Fläche von über 824 Hektar) signifikant höhere Stresswerte aufwiesen als Rehe in Gebieten ohne oder mit kleineren Windparks. Der Grund für die Stressbelastung wird im Lärm gesehen.
Interessanterweise war der Stressfaktor Windpark, bei großen Parks, in den Modellen der Forscher sogar ein stärkerer Einflussfaktor für die Cortisolkonzentration als die Anwesenheit von Wölfen. Eine ergänzende Beobachtung war, dass Rehe dazu neigen, das Innere von Windparks und die unmittelbare Nähe zu den Turbinen zu meiden, was auf eine Verhaltensänderung durch die Anlagen hindeutet.
Dr. Zeiler schließt in „Der OÖ Jäger“ mit den Worten, dass „heute feststeht, dass Windparks einen negativen Effekt auf die lokale Artenvielfalt haben können. Da der zunehmende Verlust von Biodiversität neben der Klimaerwärmung die zweite große Herausforderung unserer Zeit darstellt, kann man diesen Aspekt nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.“
Die systematische Übersichtsarbeit (treue Leser erinnern sich: höchste wissenschaftliche Evidenzstufe) von Teff-Seker et al. (2022) unterstreicht, dass die Stressreaktion (wie bei den Rehen in Polen) kein Einzelfall ist, sondern ein systematisches Problem in der Planung von Windparks darstellt.
Die Forscher bestätigen vielfältige negative Auswirkungen: Die Autoren listen auf, dass Lärm von Windkraftanlagen nicht nur den Stresspegel erhöhen kann, sondern auch:
- Das physische Wohlbefinden beeinträchtigt.
- Überlebenswichtige Mechanismen stört (z. B. das Hören von Fressfeinden).
- Soziale und reproduktive Prozesse (z. B. Paarungsrufe) maskiert.
- Zu Habitatverlusten führt, da Tiere verlärmte Gebiete meiden.
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Quellen:
Klich, D., Łopucki, R., Ścibior, A., Gołębiowska, D. & Wojciechowska, M. (2020). Roe deer stress response to wind farms: Methodological and practical implications. Ecological Indicators, 114, 106294.
Teff-Seker, Y., Berger-Tal, O., Lehnardt, Y., & Teschner, N. (2022). Noise pollution from wind turbines and its effects on wildlife: A cross-national analysis of current policies and planning regulations. Renewable and Sustainable Energy Reviews, 168, 112824.
OÖ Landesjagdverband. (2025, Dezember). Der OÖ Jäger, 52(189).
