Lärmst du schon oder lebst du noch?

Ein Dauerbrenner im Zusammenhang mit der Errichtung von Windkraftanlagen ist das Thema der gesundheitlichen Auswirkungen. Besondere Aufmerksamkeit genießt dabei das Thema Lärm, denn Lärm – auch von Windkraftanlagen – kann krank machen, wie die WHO schon (2018) festhält.

Hörprobe gefällig?

Wir haben uns daher in wissenschaftlichen Datenbanken für euch auf die Suche gemacht und präsentieren heute Ergebnisse aus einer systematischen Übersichtsarbeit („systematic review“) von Van den Berg (2021). Da eine systematische Übersichtsarbeit die Erkenntnisse aus dutzenden Einzelstudien – in diesem Fall 12 Reviews und 57 Originalstudien (Einzelpublikationen) – nach strengen Kriterien zusammenfasst und bewertet, liefert sie die wissenschaftlich zuverlässigste und stärkste Aussagekraft.

Für Betroffene ist aufschlussreich zu wissen, dass zwischen dem gemessenen Lärmpegel und der empfundenen Lärmbelästigung unterschieden werden muss. Diese empfundene Lärmbelästigung ist subjektiv und sie wird stark beeinflusst durch:

  • Persönliche Lärmempfindlichkeit: Menschen, die von Natur aus empfindlicher auf Lärm reagieren, fühlen sich durch Windkraftanlagen stärker belästigt als andere.
  • Negative Einstellung zu Windkraftanlagen: Wer die Windkraft generell ablehnt, empfindet den Lärm subjektiv störender, unabhängig davon, wie laut er tatsächlich ist.
  • Visuelle Wahrnehmung der Windkraftanlagen: Der Anblick der Windkraftanlagen in der Landschaft kann die Lärmbelästigung verstärken und sich zur akustischen Störung addieren.
  • Rhythmisches „Wusch“-Geräusch (Amplitudenmodulation): Das als pulsierend oder rhythmisch wahrgenommene Geräusch der Rotorblätter wird oft als besonders störend und auffällig empfunden.

Der Schall von Windkraftanlagen (WKA) wird bei gleichem Pegel als störender empfunden als der vieler anderer Quellen. Das Leben in der Nähe einer WKA oder das Hören des Schalls von WKA kann bei Anwohnern zu chronischer Belästigung (Annoyance) führen.

Gesundheitliche Probleme entstehen also nicht so sehr durch die reine Lautstärke des Schalls. Entscheidender ist, ob Betroffene den Lärm subjektiv als störend empfinden.

Interessierten Lesern wird vertiefend die Studie von Müller (2023) nahegelegt. Die Forscher lieferten die empirische Detailarbeit, die die wissenschaftlich klaren Schlussfolgerungen des Reviews von Van Kamp und Van den Berg (2021) untermauern: Die Belästigung durch Windkraftanlagen ist kein rein akustisches, sondern ein soziopsychologisches Phänomen.

Wir resümieren: die beste Vorsorge für die eigene Gesundheit ist ein Wohnort, der frei von Windkraftanlagen in der unmittelbaren Nachbarschaft ist.


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Quellen:

Müller, F. J. Y., Leschinger, V., Hübner, G., & Pohl, J. (2023). Understanding subjective and situational factors of wind turbine noise annoyance. Energy Policy, 173, Article 113361.

Van Kamp, I., & Van den Berg, F. (2021). Health Effects Related to Wind Turbine Sound: An Update. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(17), 9133.

WHO (World Health Organization), Regional Office for Europe. (2018). Environmental noise guidelines for the European Region. World Health Organization.