Windkraft-Ausbau in OÖ: Das teure Doppelspiel mit fossilem Stand-by

Vorweg: Die Bürgerinitiative Sandl spricht sich für den Ausbau erneuerbarer Energien unter Rücksichtnahme auf Ökologie, Natur- und Landschaftsschutz aus. Bezogen auf den geplanten Windpark Sandl sprechen wir uns aufgrund tiefer Bedenken gegen die Realisierung am geplanten Standort aus und wünschen eine alternative, naturverträgliche Lösung.

In den letzten Jahren wurden die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut. Wir möchten beleuchten, dass dieser Ausbau mit Nebeneffekten und Problemen behaftet ist.

IG Windkraft (2024) erklärt, dass eine moderne Windkraftanlage mit 7 MW Leistung 2.600 Volllaststunden in Österreich im Schnitt liefert. Bei 8.760 Stunden pro Jahr bedeutet das im Umkehrschluss:

Österreichische Windkraftanlagen laufen ca. 70 % der Zeit im Jahr aufgrund des Windangebots nicht mit Nennleistung.

Windkraftanlagen laufen also nur einen Teil der Zeit und generieren auch nur dann Strom. Wenn sie still stehen bzw. zu wenig Strom liefern, muss dieser woanders herkommen.

Aufgrund des weiteren geplanten Ausbaus von Windkraftanlagen in Oberösterreich machen wir auf einen aktuellen Artikel der Frankfurter Rundschau (Oktober 2025) aufmerksam, der die aktuelle Situation in Deutschland thematisiert, die ebenfalls erneuerbare Energien ausgebaut haben. Deutschland steht vor der Herausforderung ausreichend neue Stand-by-Kraftwerke zu errichten:

  • „Bis zu 71 Gaskraftwerke müssen nach dem neuen Bericht zur Versorgungssicherheit der Bundesnetzagentur, deren Präsident Klaus Müller ein ehemaliger Politiker der Grünen ist, bis 2035 gebaut werden, damit das Licht nicht ausgeht, die Wärmepumpen stillstehen und Industriebetriebe nicht weiterarbeiten können.“
  • „Jedes dieser Kraftwerke wird im Schnitt zwischen 600 und 800 Millionen Euro kosten, und da sie nur wenige Wochen im Jahr laufen sollen, wird auch der Strom, den sie produzieren, teuer werden.“

Es soll jedem klar sein, wohin dieser weitere Ausbau auch bei uns in Österreich führen wird:

Mit jeder weiteren Windkraftanlage in Österreich braucht es gleichzeitig ein weiteres, fossiles Backup-Kraftwerk („Stand-by“), das immer dann einspringt, wenn kein oder zu wenig Wind weht. Jeder kann sich gedanklich neben jede Windkraftanlage ein fossiles Kraftwerk daneben ausmalen.

Und jeder ist eingeladen sich eine eigene Meinung zu bilden, ob er diese Doppelstrukturen als nachhaltig oder günstig erachtet.

Diese Doppelstrukturen werden solange notwendig sein, bis unser Stromnetz besser ausgebaut ist und im großen Stil ausreichende Puffermöglichkeiten (Stromspeicher) geschaffen wurden, um Schwankungen (zumindest teilweise) auszugleichen – ein noch sehr weiter Weg. In Oberösterreich arbeitet bspw. das Unternehmen H2 Powerlink an Bausteinen dieser Revolution. 

Wie bereits berichtet, kostet aktuell jedes Einspringen von fossilen Kraftwerken („Redispatch“) zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität uns allen ständig Geld. Das spiegelt sich in steigenden Netzgebühren wider. In Anbetracht dessen, die Einladung Aussagen wie „Windkraft ist billiger Strom“ für sich facettenreicher zu bewerten.

Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid APG, Österreichs größtem überregionalem Stromnetzbetreiber, sagte in einem Podcast von (Die Presse, 2025): „Man hat geglaubt, die Energiewende ist ein Ersetzen von fossilen Kraftwerken durch Erneuerbare. Und das ist einfach zu wenig. Und heute haben wir im System gewaltige Probleme. Netze, die zu schwach sind, Speicher, die fehlen, Strompreise, die teilweise ins Negative gleiten.“

In Anbetracht dieser Aussagen, darf die Frage in den Raum gestellt werden, ob weitere Windparks – wie der in Sandl bzw. generell in Oberösterreich – in der aktuellen Situation tatsächlich zur Lösung beitragen oder die bestehenden Probleme unseres Stromnetzes weiter verschärfen. Und, ob in Anbetracht all dessen, die mit dem Bau einhergehenden massiven Eingriffe in sensible Naturregionen zu vertreten sind.


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Quellen:

Die Presse. (13.12.2025). Österreichs Stromnetz vor großen Aufgaben (Podcast)

Frankfurter Rundschau. (12.10.2025). Nicht rechtzeitig fertig: 71 Gaskraftwerke fehlen – Blackouts drohen.

IG Windkraft. (25.12.2024). Windstromrekord: Winterwind bringt Weihnachtsgeschenk. IG Windkraft.