Vom Winde verweht: Das Mühlviertler Glück einer jungen Familie

Wir sprechen gerne von Zahlen, Daten, Fakten und dem Pro und Contra. Heute blicken wir auf die, um die es uns eigentlich geht: Auf die Menschen. Auf eine Familie, eine von vielen Geschichten, die sich später rund um die geplanten Windkraftanlagen Sandl ranken werden. Giovanni „has got miles“, wie die Briten ihn beschreiben würden. Hier sagen wir: ein g‘standener Mann. Tatsächlich ist er aus Italien, dem gläubigen Teil.

Giovanni nimmt sich kein Blatt vor den Mund, noch lieber ein Stück seines selbstgebackenen Kuchens, der einfach nur köstlich war. Leider ist das Rezept ein Geheimnis. Giovanni war mit seinen magischen Händen weltweit im Einsatz, um hungrige Mägen zu füllen und sie mit Genussfrieden wieder ziehen zu lassen. Koch, Bäcker und Konditor. Gerne hängt er seiner Nachbarin in Sandl mal frisches, selbstgebackenes Gebäck an die Türklinke, damit ihr Tag gut anfängt.

Auf die Frage, wie Giovanni mit seiner Frau und deren Sohn nach Sandl kam, erfuhren wir, dass er das Haus, in dem sie jetzt in Sandl wohnen, im Internet gefunden habe. „Das ist es“, war sein erster Gedanke. Und dabei blieben sie. Als er das Haus, ein typisches Mühlviertler Steinbloßhaus aus allerbesten Jahren, zum ersten Mal betrat, spürte er es sofort: „Dieses Haus hat eine Seele.“ Es hat Geschichte, wie Giovanni selbst. Da haben sich die Richtigen gefunden. Auch erzählt er strahlend, vom Umfeld in Sandl warm aufgenommen worden zu sein. Wie auch nicht, bei diesen Kuchen. La via del cuore passa prima dallo stomaco. Liebe geht durch den Magen.

Im Juni 2024 wurde das Haus übernommen und mit unglaublichem Eifer wieder in Form gebracht. Renovierung ohne Ende – bis heute kein Ende. Schließlich soll es der Platz für das gemeinsame Kind sein, der sichere Hafen. Er sah das Kind schon im Freiwald spielen, als er mit dem Vorbesitzer durch spazierte.

Erst nach dem Kauf erfuhr die Familie von der geplanten Errichtung des Windparks in unmittelbarer Nachbarschaft. Für die Familie brach eine Welt zusammen. Ihre Welt, fühlen sie sich doch hier zu Hause. Seither ist die kostspielige Renovierung vollends gestoppt. Die Unsicherheit bringt der Familie Stress und Zukunftssorgen. Alles, was ihnen hier ans Herz gewachsen ist und wofür sie so viel Herzblut investiert haben, steht auf dem Spiel.

„Wenn der Windpark kommt, gehen wir weg.“

In dieser Stimme liegt dieselbe Klarheit wie beim Kauf des Hauses. Ihre Zukunft und die ihres Kindes sehen sie dann woanders, wie andere auch. Auch ist offen, in welchem Ausmaß der Wertverlust für ihr Haus ausfällt, wohnen sie doch nahe des 1.000 Meter Mindestabstandes. Eine weitere Sorge gilt der Lärmbelästigung während der geplanten mehrjährigen Bauphase und darüber hinaus, wenn der Wind den Schall mehrerer Windkraftanlagen kumuliert in ihre Richtung trägt. Vom Winde verweht.

Die Familie kämpft. Durch die Bürgerinitiative Sandl und die geleistete Aufklärungsarbeit fühlen sie sich in ihren Sorgen gehört und ernst genommen. Auch sind sie beeindruckt von der an den Tag gelegten Professionalität: „Wie ein Tsunami.“ Sie streben bei dem UVP-Verfahren, zusätzlich zur Teilnahme an der Bürgerinitiative, Parteistellung als Nachbar an, um ihren Sorgen auch juristischen Ausdruck zu verleihen.

Chi la dura la vince. Beharrlichkeit führt zum Ziel,
Deine Bürgerinitiative Sandl


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