Die Bürgerinitiative Sandl kooperiert mit dem Naturschutzbund OÖ. Von eben diesem dürfen wir folgendes Positionspapier zum Thema „Windkraft in geschlossenen Waldgebieten im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Ökoenergie“ veröffentlichen:
Wir haben es mit zwei Krisen zu tun:
- die Klimakrise, weswegen über saubere, umweltfreundliche Energiequellen nachgedacht wird – Windenergie ist zweifellos eine dieser sauberen Quellen
- und die Biodiversitätskrise, die genauso schwerwiegend ist und große Probleme verursachen wird, wenn wir nicht alles daransetzen, das vom Menschen verursachte Artensterben zu stoppen.
Die Bekämpfung beider Krisen muss ineinandergreifen und darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es wäre kontraproduktiv, wenn wir alles in die Energiewende investieren und den Natur- und Artenschutz auf später verschieben. Denn viele Arten – besonders sensible und seltene – sterben schneller aus, als wir glauben.
In diesem Sinne verstehen wir als Naturschutzbund Oberösterreich unsere Linie: Wir sind nicht gegen Windenergie per se und sehen sie als eine sinnvolle Ergänzung zu den anderen Formen ökologischer Energiegewinnung, wie Photovoltaik oder Wasserkraft. Allerdings treten wir dafür ein, Windkraftanlagen nur dort zu errichten, wo dies aus Sicht des Natur- und Artenschutzes vertretbar ist.
Windkraftanlagen in geschlossenen Waldgebieten, die sich in Österreich außerhalb des Alpenraums vorwiegend im Norden (Mühl- und Waldviertel) an der Grenze zu Tschechien am „Grünen Band“, dem ehemaligen Eisernen Vorhang, befinden, halten wir aus mehreren Gründen für problematisch:
- auch wenn sie zu einem großen Teil als Wirtschaftswälder gelten, handelt es sich um große, weitgehend störungsarme Waldgebiete, die als Rückzugszonen für besonders seltene und störungsempfindliche Arten dienen. Insbesondere für den Luchs, der in der Grenzregion Ober- und Niederösterreich sowie Tschechien das einzige Vorkommen hat und sich dort reproduziert. Ebenso kommt hier die Wildkatze vor, die auch stark vom Aussterben bedroht ist. Zudem hat hier der Wolf Rückzugsgebiete, wo es zu keinen Konflikten mit Menschen kommt. Weiters kommen Bruten des in Österreich bereits einmal ausgestorbenen Seeadlers und auch andere seltene, störungsempfindliche Arten wie Schwarzstorch, Raufußhühner und Fledermäuse in diesen Waldgebieten vor. Für diese Tierarten tragen wir auch international Verantwortung: Die FFH-RL verpflichtet uns als Staat, für Arten, die sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden, Schutzgebiete einzurichten. Leider besitzen noch immer nicht alle in Frage kommenden Gebiete diesen Schutzstatus.
- Windparks dieser Größenordnung brauchen für die Errichtung und Erhaltung/Wartung entsprechende Infrastruktur: Zufahrtstraßen und Stromleitungen, die zwangsläufig zu Zerschneidungen des Raumes führen. Außerdem bringt der Betrieb der Windräder aufgrund der Höhe und Geschwindigkeit Unruhe und Störungen sowohl in visueller als auch akustischer Form in diese Gebiete, die bis jetzt weitgehend unbelastet sind. Für manche flugfähigen Arten (Greifvögel und Fledermäuse) besteht Kollisionsrisiko mit den Rotoren. In der Literatur werden zwar Gewöhnungseffekte für manche Tierarten beschrieben. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Wildtiere die Umgebung von Windkraftanlagen dauerhaft meiden. Habitatverluste und Lebensraumfragmentierung sind dann die Folgen. Dies ist vor allem für Arten relevant, die vom Vorhandensein großer störungsarmer Waldgebiete abhängig sind.
- Große, zusammenhängenden Waldgebiete sind Teile überregionaler, transkontinentaler Wanderkorridore, die sich von Ostdeutschland und Polen über Tschechien bis zur Donau und zu den Alpen erstrecken. Diese Korridore sind wichtig für die Wiederbesiedlung von Arten, die durch den Klimawandel bedroht sind. Diese Landschaftsräume sind ohnehin bereits durch diverse Infrastrukturen (Straßen, Verbauungen, intensive Landwirtschaft, etc.) belastet und es sollten nicht noch weitere negative Störeffekte dazukommen.
- Nicht zuletzt kommt auch dem Schutzgut Landschaft eine Bedeutung zu. Vielfach handelt es sich um alte, historisch gewachsene Kulturlandschaften, die durch große Windkraftanlagen deutliche Veränderungen des Landschaftsbildes erfahren.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Naturschutzbund Oberösterreich eine differenzierte Haltung in Bezug auf Windkraft einnimmt. Wir halten Windenergie als wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise.
Auf der anderen Seite vertreten wir die Auffassung, dass Windkraftanlagen in sensiblen Zonen, wie insbesondere in großen, geschlossenen Waldgebieten, aus der Sicht des Natur- und Artenschutzes kritisch zu bewerten sind.
Mögliche Auswege für die Lösung dieses Konflikts wäre eine auf ökologische Prinzipien beruhende Energieraumplanung, die Ausweisung von Windkraft-Ausschlusszonen (in Oberösterreich sind diese in Planung), eine Änderung der 1.000 Meter-Abstandsregel von bewohnten Gebieten, welche die Errichtung von Windkraftanlagen in vielen Teilen des Bundeslandes erschweren, sowie die Ausweisung von Schutzgebieten nach europäischen Kriterien.
Wir, von der Bürgerinitiative Sandl, freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund OÖ.
