Bodenemissionen

Aus unserem Netzwerk wurden wir auf folgende Dissertation, also eine Doktorarbeit, von Curto (2012) aufmerksam gemacht. Dankeschön an dieser Stelle.

Gleich vorweg: Bleibe kritisch. Diese Dissertation hat keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Auf einem Lusitano-Gestüt in der Nähe von Lissabon trat ab 2008 eine ungewöhnlich hohe Anzahl erworbener Bockhuf-Fälle (Fesselträgerverkrümmung) bei Fohlen auf. Ein Bockhuf ist eine Missbildung bzw. Fehlstellung an den Hufen von Pferden. Da gängige Ursachen wie Fütterung oder Genetik ausgeschlossen werden konnten und sich die betroffenen Tiere nach der Verlegung von der Weide spontan erholten, wurde die Ursache in einem externen Umweltfaktor vermutet.

Der einzige signifikante Umweltwandel war die Installation von neun Windkraftanlagen auf dem angrenzenden Gelände. Die zentrale wissenschaftliche Schlussfolgerung besagt, dass die von den WKA ausgehenden Bodenvibrationen in den gemessenen Frequenzbereichen das Knochenwachstum der Fohlen beschleunigt haben.

Diese Frequenzen fallen in den Bereich, der in der Forschung nachweislich knochenanabol (wachstumsfördernd) wirkt (Rubin, 2001). Weil Sehnen und Bänder diese beschleunigte Entwicklung der Knochen nicht ausgleichen konnten, entstand die Fehlstellung. Ergänzend dazu zeigten histopathologische Untersuchungen der Fohlen systemische Zellschäden, insbesondere an glatten Muskelzellen und Blutgefäßen, was den Mustern der sogenannten Vibroakustischen Krankheit (VAD – Vibroacoustic Disease) entspricht, die durch chronischen niederfrequenten Lärm verursacht wird. An dieser Stelle ist zu ergänzen, dass die Vibroakustische Krankheit wissenschaftlich umstritten ist und von der breiten, internationalen Wissenschaftsgemeinschaft nicht allgemein als eigenständige, medizinisch anerkannte Krankheit betrachtet wird. Oder noch nicht? Ärzte machten auch mal Werbung für Rauchen (YouTube, 2025).

Zurück zur Dissertation: Die kombinierten Effekte von Vibration auf das Knochenwachstum und dem systemischen akustischen Stress legen somit einen starken Zusammenhang zwischen den WKA-Emissionen und den orthopädischen Problemen nahe.

Der Wissenschaftler in Ihnen hebt jetzt (hoffentlich) den Zeigefinger: es wird hier eine Korrelation – ein gleichzeitiges Auftreten von Ereignissen – beobachtet, die aber, nach derzeitigen Forschungsstand, noch keine Kausalität – also ob die Ereignisse miteinander nachweislich in Zusammenhang stehen – begründet. Bis hier weitere umfangreichere Forschungen erfolgt sind, wird ein Zusammenhang nahe gelegt.

In einer aktuellen Publikation von Müller et al. (2025) wurde nachgewiesen, dass Bodenbewegungen in einem Umfeld von etwa einem Kilometer dem Betrieb von Windkraftanlagen zugeordnet werden konnten.


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Quellen:

Curto, T. M. C. P. e. (2012). Acquired flexural deformation of the distal interphalangeal joint in foals (Dissertation). Technical University of Lisbon, Faculty of Veterinary Medicine, Lissabon.

Florian J.Y. Müller, Esther Blumendeller, Laura Gaßner, Po Wen Cheng, Joachim Ritter, Johannes Pohl, Gundula Hübner, Wind turbine noise annoyance – an interdisciplinary three-year field study, Environment International, Volume 202, 2025, 109614, ISSN 0160-4120

Rubin, C., Xu, G., & Judex, S. (2001). The anabolic activity of bone tissue, suppressed by disuse, is normalized by brief exposure to extremely low-magnitude mechanical stimuli. The FASEB Journal, 15(12), 2225–2229.

YouTube (2025), More Doctors Smoke Camels Than Any Other Cigarette