Ausbau erneuerbarer Energien um jeden Preis?

„Ja, wir brauchen ja den Strom.“ Der Gesamtbedarf wächst! Wie könnt ihr dann gegen die Errichtung eines Windparks sein? Wir danken für diese Gelegenheit zur Klarstellung. Ein sehr spannender Punkt!

Vorweg möchten wir betonen, dass wir als Bürgerinitiative Sandl ebenfalls für den Ausbau erneuerbarer Energien sind, aber nicht um jeden Preis. Wir fordern diesen Ausbau unter Rücksichtnahme auf Ökologie, Natur- und Landschaftsschutz.

Darüber hinaus möchten wir beleuchten, dass der massive Ausbau der erneuerbaren Energien mit allerlei Konsequenzen verbunden ist.

Betrachten wir folgende aktuelle Pressemeldung von Herrn LR Achleitner (2025): „Der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien hat auch dazu geführt, dass Oberösterreich mittlerweile sogar zum Strom-Exporteur geworden ist – 2024 hat unser Bundesland 871.015 MWh Strom exportiert.“ Wir haben also mehr Strom produziert, als wir zum jeweiligen Zeitpunkt verbraucht haben.

Das macht deutlich, warum der Ausbau der erneuerbaren Energien auch an der Strombörse nicht spurlos vorüber geht. Es gibt Zeiten, da ist der Strompreis negativ: Du wirst als Konsument bezahlt, wenn Du den Strom abnimmst. Diese negativen Strompreise entstehen, weil es einen momentanen Überschuss gibt – die Windräder und Photovoltaikanlagen liefern, während die Nachfrage im Netz niedrig ist (z. B. am Sonntagnachmittag).

Die letzten Jahre hat sich diese Entwicklung fortgesetzt. „2024 gab es bis heute bereits um die 300 Stunden mit einem negativen Preis im Day-Ahead-Segment des börslichen Spothandels. Dies ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu den letzten Jahren.“, wie Lehr (2024) ausführt.

Die negativen Strompreise sind ein Indikator für eine ineffiziente Überproduktion. Es wird Strom erzeugt, der zu diesem Zeitpunkt keinen Abnehmer findet und oft abgeregelt (also „weggeschmissen“) werden muss. Dies wird als Verschwendung von Investitionen und Ressourcen, die für den Bau der Anlagen benötigt wurden, betrachtet.

Auch unterstreicht das Phänomen, dass das derzeitige Stromnetz und -system (Netze und Speicher) noch nicht in der Lage ist, die stark schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie zu bewältigen. Wenn Anlagenbetreiber trotz negativer Preise durch staatliche Förderungen, wie Marktprämien oder fixe Einspeisetarife, weiterhin Einnahmen erzielen oder zumindest ihre Kosten decken, verzerrt dies den Markt und sendet falsche Signale.

Hand in Hand mit dem Ausbau erneuerbarer Energie sind Maßnahmen zur Netzstabilität – oft unter Begriffen wie „Engpassmanagement“ oder „Systemdienstleistungen“ zusammengefasst – notwendig. Diese kosten jeden von uns Geld, was sich in den steigenden Netzgebühren widerspiegelt. Die APG berichtete (2023), dass innerhalb von neun Monaten bereits über 125 Millionen Euro dafür ausgegeben worden sind.

Wir resümieren: Es stimmt, dass der Bedarf wächst, aber der Bedarf wächst nicht automatisch in den Stunden des größten Überangebots. Solange wir den Überschussstrom, bei Negativpreisen, nicht speichern oder flexibel in diese Stunden verschieben können, bleibt das Problem bestehen.

Deshalb plädieren wir dafür, den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mit planlosen Projekten, die zur Verschwendung führen, sondern intelligent und zukunftsorientiert mit dem Fokus auf Speicherung und Netzausbau zu gestalten – im Einklang mit unserer Heimat Sandl.


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Quellen:

Austrian Power Grid (APG). (2023, 27. Oktober). Bis Ende September bereits 125,6 Millionen Euro nötig, um Überlastungen im Stromnetz zu verhindern.

Achleitner, M. (2025, 14. Oktober). Erneuerbare Energien boomen in Oberösterreich weiterhin – Land der Energiegemeinschaften [Presseaussendung].

Lehr, L. (2024, 27. November). Gastbeitrag: Negative Strompreise – Ursachen und Bedeutung. Zu Wien Energie Positionen.

Wien Energie. (2025). Systemische Auswirkungen von Windenergieentwicklungen.