Bereits 2022 bestätigte das deutsche Umweltbundesamt in seiner umfassenden Studie „Geräuschwirkungen bei der Nutzung von Windenergie an Land“: Das pulsierende oder „wummernde“ Geräusch von Windkraftanlagen – die sogenannte Amplitudenmodulation – ist ein Hauptgrund für die Lärmbelästigung von Anwohnern. Es macht den Lärm im Vergleich zu einem gleichmäßigen Geräusch als störender und belästigender wahrnehmbar.
Wie entsteht die Amplitudenmodulation?
Die Amplitudenmodulation ist ein akustisches Phänomen, bei dem die Lautstärke (Amplitude) des von den Rotorblättern erzeugten Geräusches in einem bestimmten, regelmäßigen Rhythmus an- und abschwillt. Dieser Effekt wird in der Fachsprache als „Wuschen“ oder „Wummern“ beschrieben und entsteht durch die aerodynamischen Prozesse beim Vorbeiziehen der Rotorblätter.
Verschärfend kommt hinzu, dass die Ausbreitung von Schall ein komplexes Geschehen ist. Als beispielhafte Parameter seien der Abstand, die aktuelle Windgeschwindigkeit und -richtung (meteorologische Ausbreitungsbedingungen), das Gelände und die Bodenbeschaffenheit genannt. Die Intensität der Amplitudenmodulation ist abstandsabhängig und wird durch die genannten meteorologischen Effekte verstärkt. Des Weiteren geht die Lärmbelastung in Sandl nicht nur von einer einzelnen Windkraftanlagen aus, sondern – laut Projektunterlagen TB Raab GmbH vom 24.01.2025 – von 19 Windkraftanlagen mit jeweils 285 m Gesamthöhe und jeweils 7,2 MW Leistung, was sich zu einer erheblichen Gesamtlärmkulisse addiert, wie ein großer Chor.
Dazu ein spannendes Forschungsergebnis: Hansen et al. (2019) führten über 64 Tage Messungen an neun verschiedenen Wohnhäusern in der Nähe eines großen Windparks (37 Windkraftanlagen jeweils 3 MW Leistung) in Südaustralien durch.
Die Studie lieferte unter anderem folgende Ergebnisse zur Hörbarkeit in größerer Entfernung:
- 2,4 km Entfernung: Ein hörbarer, amplitudenmodulierter, tieffrequenter Ton war in Innenräumen für 20 % der Zeit vorhanden.
- 3,5 km Entfernung: Die hörbare Amplitudenmodulation in Innenräumen trat immer noch für 16 % der Zeit auf.
- 3,5 km bei Nacht: In der Nacht erhöhte sich die Wahrnehmung der hörbaren Amplitudenmodulation in Innenräumen sogar auf 22 % der Zeit, was auf veränderte meteorologische Ausbreitungsbedingungen hindeutet.
Diese Ergebnisse belegen, dass die Belästigung durch Amplitudenmodulation nicht auf den Nahbereich beschränkt ist, sondern unter bestimmten Bedingungen über mehrere Kilometer wahrnehmbar und relevant sein kann. In Sandl sind halb so viele, dafür mehr als doppelt so leistungsstarke Windkraftanlagen geplant. Lege für einen Moment vergleichbare Reichweiten auf unsere Buffer-Karte für den Windpark Sandl um.
Derzeitige Genehmigungsverfahren basieren in ihrer schalltechnischen Beurteilung auf Normen wie beispielsweise der ÖNORM S 5004, ÖAL-Richtlinie Nr. 28 oder ISO 9613-2, die allesamt den Effekt der Amplitudenmodulation per se nicht berücksichtigen. Manchmal werden Zuschläge (Korrekturen) erteilt. Diese Normberechnungen zielen hauptsächlich auf die Berechnung und Einhaltung des zeitlich gemittelten Dauerschallpegels an Immissionsorten ab.
Daraus ergibt sich das Risiko, dass der von den Anwohnern tatsächlich wahrgenommene Lärmpegel durch die derzeitigen Prognosemodelle systematisch unterschätzt wird. Dies führt potentiell zu wiederkehrender Lärmbelästigung, welche eine der Hauptursachen dafür ist, warum sich Anwohner von Windkraftanlagen gestört fühlen, wie u.a. van Kamp et al. (2021) in ihrer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit (höchste Evidenzstufe!) klarstellen.
Die gute Nachricht: Jetzt ist es noch nicht zu spät.
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Quellen:
Hansen, K. L., Nguyen, P., Zajamšek, B., Catcheside, P., & Hansen, C. H. (2019). Prevalence of wind farm amplitude modulation at long-range residential locations. Journal of Sound and Vibration.
Schmitter, S., Alaimo Di Loro, A., Hemmer, D., Schreckenberg, D., Großarth, S., Pörschmann, C., & Kühner, T. (2022). Geräuschwirkungen bei der Nutzung von Windenergie an Land: Abschlussbericht (Texte 69/2022). Umweltbundesamt. van Kamp, I., & van den Berg, F. (2021). Health Effects Related to Wind Turbine Sound: An Update. International journal of environmental research and public health, 18(17), 9133
